Technologie Transfer Bhutan

Das Entwicklungsprojekt in Bhutan schreitet weiter voran. Das erste Gebäude in Bhutan aus lokalem Brettschichtholz, die Dining Hall, steht seit Frühling 2018. Nun soll diesen Herbst mit dem anspruchsvollen Dachaufbau der Mulitpurpose Hall begonnen werden. Gestern war unter anderem der Projektverantwortliche der Pilot Plant, Mr. Wangchuk, CEO der NRDCL (Natural Resources Development Corporation Limited) in Eiken, um vor Ort weitere Projektschritte zu diskutieren.  Allen Widrigkeiten zum Trotz ist es Häring und dem lokalen Team gelungen, mitten im Himalaya eine einfache Fabrik zu errichten und mit den produzierten Trägern die Mensa der Royal Academy zu erstellen.

Zweifellos, die Arbeit in Bhutan ist abenteuerlich. Da war zunächst der Transport der Maschinen. In drei Containern verschiffte sie Häring nach Kalkutta in Indien, von dort legten sie die 800 Kilometer und 3000 Höhenmeter bis nach Paro zurück, wo sie Mitte des Jahres 2015 eintrafen. Nach dem Aufbau der Fabrik und der Ausbildung der Fachleute bei der Roth Burgdorf AG produzierten die acht Leute vor Ort die ersten Träger. Dies mit einfachen Hilfsmitteln und viel Handarbeit.

Eine Keilzinkenanlage - unentbehrlich in der Schweiz-fehlt vor Ort. Als Lösung müssen sich die zu verleimenden Bretter jeweils einen Meter überlappen.

Trotz Hemmnissen....
Zum Mangel der Technik und den Schwierigkeiten des Transports kommen kulturelle und wirtschaftliche Hemmnisse hinzu. "Viele Bhutaner streben eine Beamtenstelle an, Handarbeit ist meistens die zweite Wahl", erzählt David Häring, der das Projekt von der Schweiz aus und zeitweilig vor Ort betreut. Zudem ist die Migration qualifizierter Berufsleute ein Thema: Auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten gehen einige für ein paar Jahre ins Ausland, wobei Australien sehr beliebt ist. So auch geschehen bei dem von Häring unterstützen Projekt.

Und noch einen wesentlichen Unterschied hat David Häring festgestellt: Den Zeitbegriff. "Wir sind uns gewohnt, die Arbeit unentwegt voranzutreiben, doch in Bhutan geht alles viel gemächlicher", stellt er fest. "Damit musste ich leben lernen". Auf der anderen Seite hat er auch von der dortigen Kultur etwas mitgenommen: "Ich habe nun einen anderen Blick auf die Hektik bei uns."

...zum Erfolg
Trotz der Widrigkeiten ist es gelungen, die Konstruktion der Mensa für den Campus fertigzustellen. Bei seinem Aufenthalt vor Ort im September hat sich David Häring zum Ziel gesetzt, jeweils ein Bauteil von jedem Typ herzustellen. Im Spätherbst reisten Michel Steiner und Manuel Meury, zwei Zimmerleute von Häring, für fünf Wochen nach Paro, um das lokale Team bei der Montage zu unterstützen und ihr Know-How weiterzugeben. Bei einem Projektfortschritt von 40% reisten die beiden wieder ab. Gemäss neuesten Informationen ist es dem lokalen Team gelungen, die Dachabdeckung vor Beginn des Monsuns Anfang Mai fertigzustellen. "Ich freue mich, dass die Halle nun steht - das motiviert uns weiterzumachen", kommentiert David Häring.

Nach bestandener Feuertaufe wartet auf das Team der Brettschichtholzfabrik die nächste Aufgabe. Nach den geraden Trägern für die Mensa kommt nun quasi die Meisterprüfung: gebogene Träger für die Mehrzweckhalle. Bis im Sommer stehen sie bereit, im September soll die Montage beginnen.

Royal Academy
Die Royal Academy ist ein Campus für Schüler vom siebten bis zum zwölften Schuljahr. Als Ziel für den vollständigen Ausbau wird eine Kapazität von 700 Schülerinnen und Schülern genannt, im Moment rechnet man aber mittelfristig eher mit 400. Ebenfalls erklärtes Ziel ist es, rund 60% Schüler aus ärmlichen Verhältnissen aufzunehmen. Die ersten 60 Schüler starteten am 6. März 2016 mit dem Unterricht; sie stammen aus sämtlichen 20 Distrikten des Landes.

Die königliche Mittelschule strebt gemäss ihren Grundsätzen eine ganzheitliche Entwicklung der jungen Menschen an-intellektuell, physisch, sozial, emotional und spirituell. Ebenso wichtig wie gute Schulleistungen ist die Förderung des Charakters. Die zu vermittelnden Werte orientieren sich am kulturell prägenden Buddhismus und lauten: Aufrichtigkeit, Gemeinschaftlichkeit, Grosszügigkeit und Mitgefühl.

Häring in Bhutan
Am Anfang stand eine Informationsreise der bhutanischen Forstbehörde in die Schweiz im Jahr 2012. Die Delegation besuchte unter anderem die zur Häring-Gruppe gehörende Roth Burgdorf AG. Es folgte eine Gegeneinladung nach Bhutan. Angetan von den architektonischen Möglichkeiten des modernen Holzbaus, wollten die Behörden bei Häring eine attraktive Mehrzweckhalle für die neue Royal Academy als Musterkonstruktion aus der Schweiz bestellen.

Stattdessen schlug Häring vor, die Halle aus einheimischem Holz und mit einheimischen Fachkräften zu realisieren-ganz nach dem Motto der Nachhaltigkeit. Denn das Potenzial an nutzbarem Forst in Bhutan ist immens: Mit 28'000 Quadratkilometern ist die Waldfläche zweieinhalbmal so gross wie in der Schweiz, doch ist der Anteil der geernteten Biomasse zehnmal kleiner als hierzulande. Für die Holzwirtschaft existiert weder eine geeignete Verarbeitungskette noch ein grösserer Markt. Das Projekt von Häring soll der Holzverarbeitung im Land einen deutlichen Impuls verleihen. Mit dem Engagement trägt Häring zum Know-How-Transfer bei.